Donnerstag, 18. Februar 2016

Von Zielen und unterschiedlichen Menschen



Habt ihr euch schon einmal überlegt, wie es wäre, wenn Geld für euch nur eine untergeordnete Rolle spielen würde? Nicht, weil ihr mit dem zufrieden seid, was ihr habt, sondern, weil ihr einfach genug, ja sogar zu viel davon habt? Klingt irgendwie komisch, oder? 

Und dennoch rede ich hier nicht von einem Lottogewinn oder solchen Dingen, sondern von Menschen, die unter uns leben und auf den ersten Blick gar nicht einen solchen Anschein geben. Ich rede von einem Ehepaar von 40 Jahren (keine Kinder), sehr sympathisch,  ich kenne sie gut. Nennen möchte ich sie der Einfachheit halber Daniel und Sarah. Ich möchte von den beiden ganz wertfrei berichten.

Sarah war schon immer recht ehrgeizig und hat gleich nach ihrem Studium eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst eingeschlagen. Ihr Verdienst hat sich jährlich stetig erhöht und das nicht nur um ein paar läppische Prozente. Ab und zu nimmt sie an einem Qualifizierungslehrgang teil und stemmt so die nächste Stufe ihrer Beamtenlaufbahn. Inzwischen ist sie auf der Karriereleiter schon recht hoch, Ende nicht in Sicht, Rente bis über den Tod hinaus gesichert. Sarah ist leidenschaftliche Sportlerin, erklimmt jeden Berg, Outdoor ist ihre Welt. 




Daniel ist weniger ehrgeizig, hat es dennoch auch als Ingenieur weit gebracht, außerdem kann er sich seinem Umfeld immer als Kumpel-Typ verkaufen und sammelt so bei seinen Chefs Pluspunkte. Ohne übermäßig viel zu tun wird er bei Gehaltserhöhungen immer mit bedacht. Auch er ist gerne mit Sarah auf Wochenende-Outdoor-Trips überall unterwegs. Die beiden haben viel Freizeit, verstehen sich gut und sind gesund. Das Haus wurde schon vor 10 Jahren gekauft und ist abbezahlt, die Einrichtung einschließlich modernstem Homekino, Sauna und Fitnessbereich ist auf neuestem und modernstem Stand. Die Küche ist ein Beispiel an Technik und Ausstattung. Daniel kauft ständig die neuesten digitalen Geräte einer bestimmten Marke. Es gibt ihm einen großen Kick, Einkäufe dieser Art zu machen, ein Glücksgefühl. Danach verstauben die meisten der gekauften Dinge im Schrank. In den Schubladen und Schränken liegen massenhaft wertvolle Sachen. Mit meiner Begeisterung für Flohmarkt-Funde aus alten Zeiten können sie gar nichts anfangen. Daniel und Sarah sind weder Protzer noch Angeber und großzügig zu anderen. Aber ihren Käufen merkt man eine gewisse Verzweiflung an.

Zu Hause halten es die beiden nicht lange aus. Sie haben keine Ziele (mehr), können sich auch eher wenig zu Hause beschäftigen. Garten und Terrasse sind angelegt, ein Rasenroboter mäht ganz von alleine. Ein geräumiges Reisemobil ist auch da. Rastloses kaufen, nur immer geschäftig tun, aber alles irgendwie sinnlos. Leere und Depression.


Warum schreibe ich Euch das überhaupt? Es geht nicht darum, etwas anzuprangern, sondern ich schreibe das, weil mir das oft so ungeheuerlich vorkommt und ich viele umgekehrte Fälle und Leben kenne. Leben voller Phantasie und Sehnsüchte, die gelebt werden wollten, wenn nur ein Bruchteil der finanziellen Mittel von Sarah und Daniel da wäre. Leben, die keine Langweile kennen und dennoch im Leben irgendwie ausgebremst werden. Und auch Leben, die gerade so über die Runden kommen und kaum zum Nachdenken über etwas anderes als das kommen, ob es für den Monat reicht.



Ich finde, dass die Schere zwischen Arm und Reich gerade extrem auseinander klafft. Nie zuvor ist mir das so bewusst geworden wie in den letzen Monaten. Würden die meisten von uns, die in Sarahs und Daniels Situation sind, vielleicht ganz ähnlich reagieren und leben? Sind wir eigentlich nie zufrieden im Leben?

Am Ziele deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: Dein Wandern zum Ziel. 

(Marie von Ebner-Eschenbach)


Das große Meisterstück des Lebens besteht darin, Ziele zu erreichen und die Gegenwart bewusst zu erleben.  

(Jörg Löhr)





Der Langsamste, der sein Ziel nur nicht aus den Augen verliert, geht immer noch geschwinder als der, der ohne Ziel herumirrt.  

(Gotthold Ephraim Lessing)



In diesem Sinne wünsche ich Euch ein wunderschönes, sinnerfülltes Wochenende,

Kommentare:

  1. Tja, Sicherheit in einer Zeit der Krisenängste, das versprechen sich Menschen von Geld & Gut ( und das ist das Erbe der Erfahrungen der Großeltern aus Weltkriegszeiten ). Aber Ängste bleiben Ängste und lähmen und rauben Vitalität. Traurige Geschichte!
    LG
    Astrid

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  2. zauberhafte Bilder..
    ich schiebe es nicht unbedingt auf Ängste sondern auf eine gewisse Oberflächlickeit
    das Mithaltenwollen mit anderen ..die falschen Vorbilder (Werbung ect. )auch fehlende Werte..
    so heißt es doch auch schon in einem alten Liedertext.. je mehr er hat .. je mehr er will..

    liebe Grüße

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  3. Für mich scheint dieses Leben ohne Sinn und Verstand zu sein...immer mehr..weiter..!
    Schade, auch in unserem Bekanntenkreis gibt es leider solche Menschen,ohne Inhalt und Halt. Sie vergessen das Wesentliche leben und miteinander leben. Liebe Grüsse R.

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  4. Dein Text stimmt mich nachdenklich. Recht hast du, die Schere wird immer größer und viel zu oft sind die, die über Geld verfügen nicht so auf dem Boden geblieben wie Daniel und Sarah. Ich denke, dass du mit deiner Vermutung, dass die beiden es nicht vermögen, die Leere zu füllen, richtig liegst. Wenn die beiden nicht selbst zu diesem Schluss kommen, dann werden sie wohl auch weiter der Leere davonlaufen ... wollen.

    Ich habe deine Bilder sehr genossen, du hast den Nebel so wunderbar eingefangen!

    Ein erfülltes Wochenende wünsche ich dir ... nachdenklich, Frauke

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  5. Zu Deinem Post fällt mir spontan folgendes schwedisches Sprichwort ein:

    Arm sind nicht die, die wenig haben, sondern die, die viel brauchen.

    Liebe Grüße
    Gabriele

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  6. Danke für Eure Gedanken zu diesem Thema, ihr habt ja so recht!

    LG Nina

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